Aufklärung über Weihnachten. Das Fest und die Geschichten

Erwachsene & Senioren, Hinweis

  

Eine Kurz-Geschichte der Weihnacht beginnt mit der Tatsache, dass Weihnachten zum ersten Mal im Jahre 336 gefeiert wurde, und zwar in Rom. Jesus aus Nazaret musste über zehn Generationen warten, bis er zu einer Geburtstagsfeier kam. Die Christen in der Hauptstadt des Weltreichs tauften damit ein heidnisches Sonnenwendfest zu Ehren des „unbesiegten Sonnen-Gottes“: Kaiser Aurelian hatte es zwei Generationen zuvor am 25. Dezember – der damaligen Wintersonnenwende – eingeführt. Er verlieh mit dem populären sinnlichen Moment der wieder länger werdenden Tage dem römischen Staatskult vorübergehend neuen Schub. Unterdessen war aber der christliche Glaube siegreich. Der römische Sonnengott wurde verdrängt durch die aufgehende Sonne aus dem Orient, den Christus der jüdisch-messianischen Religion. Einem Gott gleich hatte ihn der Gott Israels als seinen Sohn auferweckt. Aus dem Grab und vom Schmähtod am Holz ging er der Sonne gleich unbesiegbar auf. Weihnachten wurde das Fest des Siegeszuges in den Herzen der Menschen durch den römischen Erdkreis und über die ganze Welt.
Das Datum: Astronomen und Historiker haben berechnet, dass der eigentliche Geburtstag von Jesus auf einen Apriltag des Jahres 7 „vor Christi Geburt“ zu datieren sei. In unserer Zeitrechnung fehlen nachweislich einige Jahre. Genau in jenem Jahr findet sich eine besondere Sternkonstellation, wie sie im Matthäus-Evangelium als Stern von Bethlehem beschrieben wird. Die Evangelien schweigen sich zum genauen Datum ihrer Weihnachtsgeschichten aus. Nichts deutet auf eine Winternacht hin. Die Hirten wachen bei ihren Schaf- und Ziegenherden. Sie tun dies aber nur im Lukas-Evangelium. Dort finden sich die Nazarener Maria und Josef in Bethlehem ein, weil eine römische „Volkszählung“ zur Steuerveranlagung die Hochschwangere in den Heimatort ihres Mannes beordert. Die Geburt im berühmten Stall geschah im unteren Tier-Bereich eines höhlenartigen Wohnhauses der einfachen Landbevölkerung. Gott bei den Armen. Nach einigen Tagen zogen die drei ihre paar Tagesreisen von Bethlehem nach Nazaret zurück. Hier wuchs Jesus in aller Stille im Hause eines Zimmermanns auf und begann rund 30 Jahre später sein Wirken als Wanderprediger.
Die Geburt in Bethlehem findet sich auch beim Evangelisten Matthäus. Aber sonst ist hier alles anders: Keine Rede von Stall, keine Hirten und Schafe, keine Steuerveranlagung und keine Niederlassung in Nazaret, keine Anreise. Die Familie lebt in Bethlehem und die Jungfrau gebiert ihren Sohn dort, wo der Spross des sagenhaften Königs David beheimatet ist. Mit einer astronomischen Ansage versetzen Magier den König Herodes in Jerusalem in Schrecken: „Geburt eines Königs im Hause des Widders.“ Herodes‘ Dynastie identifiziert sich mit dem Sternzeichen des Widders. Er fürchtet den Tyrannenmord aus der eigenen Familie. Hof-Astronomen aus dem Osten, wo heute Irak und Iran sind, und zugleich Symbolfiguren der heidnischen Weltkultur wurden im Laufe ihrer Europäisierung zu drei weisen Königen. Kindermord und Flucht nach Ägypten führen die junge Familie über mehrere Jahre aus Bethlehem in Judäa weg und bei der Rückkehr ins benachbarte Galiläa nach Nazaret. Was unsere Krippendarstellungen vereint, bleibt in der Bibel bei genauer Lektüre als je eigene Weihnachts- und Kindheitsgeschichte unvermischt.
Keine Geburtsgeschichte erzählt das Markus-Evangelium. Es setzt ein mit der Taufe des erwachsenen Jesus. Wie der Evangelist Johannes. Er greift nicht auf eine Kindheitsgeschichte, sondern auf eine Schöpfungserzählung zurück, um seine Weihnachtsgeschichte zu erzählen: Im Anfang war das Wort. Und das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns. Sohn Gottes nennt der Völkerapostel Paulus in seinem Brief an die Römer den jüdischen Mann Jesus als auferweckten Gekreuzigten.
Fünf Geschichten des Sohnes Gottes in der Bibel. Nur Gewalt könnte sie auf einen historischen Nenner bringen. Wer den Geschichten Gewalt antut, wird das auch den Menschen antun. Die Heilige Schrift fordert von ihren Leserinnen und Lesern die Kunst des Zuhörens und Verstehens. Fünf Geschichten, um sich der einen Bedeutung des Gottessohns anzunähern. Fünf Perspektiven auf die eine Wahrheit, damit die verschiedenen Sichtweisen respektiert bleiben. Sie wahren das Geheimnis des menschgewordenen Gottes. Lesen Sie wieder einmal in den Evangelien und erzählen Sie dann Ihre eigene Weihnachtsgeschichte. Damit es auch in Ihrem Herzen Weihnacht werde. Und Friede auf Erden!

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